Grundlagen der Fotografie – Teil 2

Basiseinstellung an einer Kamera

Bei modernen Kameras hat man einen großen Vorteil: Die können fast alles automatisch. Man braucht nur noch zu zielen und auf den Auslöser zu drücken. Zack, ein Bild.

Das wars schon. Danke.

Aber: Nicht immer kommt das Bild dann so raus, wie wir uns das vielleicht vorstellen oder die Bilder die wir auf Instagram, in Galerien oder Magazinen sehen. Um bestimmte Bilder oder Effekte zu erzielen, müssen wir dann die Einstellungen doch selbst vornehmen. Und neben vielem Zubehör, Lichter, Blitze usw., gibt es grundlegende Einstellungen die man in der eigenen Kamera vornehmen kann und die Basis für alles darstellen, was man in Zukunft vorhat.

Die Grundidee

In der Fotografie dreht sich im Prinzip alles um 2 essentielle Dinge: Licht und Zeit

Du weist dass eine Kamera entweder einen Film oder einen Sensor hat, der einen kurzen Moment festhält und mit Hilfe des Films oder Sensors uns etwas zum gucken gibt. Einfach ausgedrückt.

Der „Trick“ ist es, die richtige Menge an Licht mit der richtigen Menge an Zeit zu kombinieren, damit wir das Foto bekommen das wir uns wünschen. Um das zu erreichen hat man an einer Kamera mehrere Möglichkeiten diese Kombination zu steuern.

  1. Die Blende im Objektiv, die wie die Iris vom Auge sich öffnen und schließen lässt und dadurch mehr oder weniger Licht durchlässt. Die Größe der Iris kann man selbst festlegen.
  2. Der Verschluss im Kamera-Body. Er ist wie ein Theater Vorhang: Zieht man ihn auf, lässt man das Licht, welches durch das Objektiv fällt, durch und die Show beginnt. Wie lange man den Verschluss offen hält kann man selbst festlegen.
  3. Der Kamera-Sensor hält das bisher durchgelassene Licht als Bild fest. Die Empfindlichkeit des Sensors nennt sich ISO Wert. Man kann nun nochmal final bestimmen, wieviel von dem bisher durchgelassenen Licht festgehalten wird.

Alle 3 Einstellungsmöglichkeiten, lassen sich nutzen um die Helligkeit des Bildes zu beeinflussen. Das ist gut und schlecht zugleich.

Das Gute daran: Man hat, wenn man das möchte, richtig viel Kontrolle über das Bild und die Gestaltungsmöglichkeiten.

Das Schlechte: Für Einsteiger ist es am Anfang etwas Komplizierter.

Abhängigkeiten und Grenzen

Doch warum sollte man mit allen 3 Optionen die Helligkeit steuern wollen? Würde es nicht reichen immer nur eine Option zu nutzen?

Theoretisch ja. Wenn es nur darum geht ein gut belichtetes Bild ohne andere Neben- oder Haupteffekte zu kreieren, dann ginge das. Aber die 3 beschriebenen Optionen haben noch andere Auswirkungen auf das Bild. Effekte die man zu Gestaltung nutzen kann.

  1. Die Blende steuert nicht nur die erste Lichtmenge, sonder auch wieviel Schärfe im Bild zu sehen ist. Ist die Blenden Zahl, oft als f-Zahl bezeichnet, klein, hast du den Effekt das der Bereich auf den du Zielst scharf ist und der Hintergrund unscharf. Du kennst den Effekt wahrscheinlich schon. Ist die f-Zahl groß, ist auch der Hintergrund besser oder vielleicht sogar vollständig zu erkennen.
  2. Die Verschlusszeit entscheidet nicht nur über die Dauer des Lichtes, dass auf den Sensor fällt, sondern auch wie Scharf sich schnell bewegende Objekte dargestellt werden oder ob du verwackelst, wenn du Freihand fotografierst. Ist die Zahl ein Bruchteil einer Sekunde (z.B. 1/1000), dann ist das Bild für gewöhnlich  nicht verwackelt und schnell bewegende Objekte scharf. Ist die Verschlusszeit länger, z.B. eine halbe Sekunde, dann ist das Bild schneller verwackelt und schnell bewegende Objekte nicht gut zu erkennen.
  3. Der ISO-Wert bestimmt nicht nur wieviel Licht nun letzten Endes als Bild festgehalten wird, sondern auch wie gut die Qualität ist. Je höher der ISO Wert umso Lichtempfindlicher ist der Sensor, aber umso schnell schleichen sich Bildfehler wie Rauschen oder Artefakte ein, die dein Bild negativ Beeinflussen können.

Du siehst, es gibt also Gründe auf bestimmte Einstellungen zu achten. Hier siehst du als nächstes nun einen Simulator, der die die Wechselwirkungen aufzeigen soll. Du kannst auf verschiedene Arten eine gute Belichtung erreichen, aber mit unterschiedlichen Effekten, Vorteilen und Nachtteilen. Weiter unten erfährst du, wie du vorgehen und das für dich nutzen kannst.

Kameraeinstellungen-Simulator

Siehe und verstehe die wechselseitigen Auswirkungen von Blende, Verschlusszeit und ISO

f/1.4 (offen, hell) f/22 (geschlossen, dunkel)
1/1000s (kurz, dunkel) 4s (lang, hell)
100 (niedrig) 6400 (hoch)
f/5.6 | 1/125s | ISO 400 | EV: 0.0
Helligkeitsfaktor: 1.0
Mittlere Schärfentiefe (f/5.6): Mittlerer Bereich scharf, Hintergrund unscharf

Wie die Kameraeinstellungen zusammenwirken:

  • Blende (Aperture, A/Av): Kontrolliert die Schärfentiefe und beeinflusst die Helligkeit. Kleine f-Zahl = mehr Licht aber kleine Schärfentiefe. Große f-Zahl = weniger Licht aber große Schärfentiefe
  • Verschlusszeit (Shutter Speed, S/TV): Bestimmt wie Bewegung dargestellt wird und beeinflusst ebenfalls die Helligkeit. Längere Zeit = mehr Licht aber auch mehr Bewegungsunschärfe. Kürzere Zeit = weniger Licht aber dafür weniger Bewegungsunschärfe.
  • ISO: Bestimmt die Lichtempfindlichkeit. Höhere Werte machen das Bild heller, aber erzeugen gerade bei älteren Kameras ab ISO 800 zunehmendes Bildrauschen. Bei neueren Modellen tritt das Bildrauschen erst bei noch höheren werten erwähnenswert auf. Teilweise sind ISO 6400 kein Problem und das Bildrauschen ist nur minimal vorhanden.

Diese drei Faktorenwerden oft das Belichtungsdreieck genannt. Aber der Begriff kann sehr verwirrend sein. Für eine optimal belichtete Aufnahme müssen alle drei Parameter im Gleichgewicht sein.

Theorie & Praxis

Jetzt ist es natürlich so, dass deine Einstellungen von äußeren Bedingungen abhängig sind. In diesem Simulator siehst du das Prinzip und wie grob alles funktioniert. In der Praxis wirst du am Tag setzen ISO 3200 brauchen für deine Bilder. Eher zwischen 200 – 400 bzw. an bewölkten Tagen oder im Wald zwischen 400 – 800.

Auch die Verschlusszeiten sind möglicherweise etwas anders und so weiter.

Es kommt also sehr darauf an zu welcher Tageszeit, Wetter und Umgebung du deine Fotos machen möchtest. Und ob du On-Location (Outdoor, in einem fremden Gebäude usw.) oder in einer von dir kontrollierten Studio-Umgebung Bilder machen möchtest.

In Teil 3 kümmern wir uns um ein paar Details. Zum Beispiel was uns genau die ganzen Angaben auf einem Objektiv sagen. Was die Sensorgröße damit zu tun hat dass wir bei den Objektivangaben etwas umdenken müssen und wann wir etwas eingeschränkter sind mit der Verschlusszeit.

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